Mein WM 2014

12.07.2014

Mesut Löwedes und die Parallelwelt

Laberthier labert hier über das Kölner-lose WM-Finale, und überhaupt

Bruno Laberthier und sein Roman "Alle Böcke beißen..."

Beim 1. FC Köln am Geißbockheim schaut Bruno Laberthier an jedem freien Tag, den der Herrgott Training sein lässt, vorbei und sieht nach dem Rechten. Die Fortuna aus der Südstadt hat er seit ewigen Zeiten als kölscher Unterhund ins Herz geschlossen. Und dass schöner Fuppes auch auf der anderen Rheinseite gespielt wird, weiß er ebenfalls. Außerdem schreibt er Romane: „Alle Böcke beißen …“ ist der erste (Un)Sittenroman über den 1. FC Köln. Bruno Laberthiers Kolumnen erscheinen offline und online, also in der RHEINFUSSBALL Printausgabe und bei rheinfussball.de

Natürlich geht es am Sonntag so aus:
Argentinien wird Weltmeister
Und zwar gegen und wegen Mesut Löwedes.

Euer Laberthier hält da jede Wette: Deutschland taktiert sich morgen entweder in einen Nachteil, der am Ende nicht mehr aufzuholen sein wird. Weil Jogi Löw entweder erneut auf eine herbeigezimmerte Abwehr setzt, in der es Sollbruchstellen gibt, die eine – beileibe bislang nicht weltüberragende – albicelestinische Offensive auseinanderknackt wie einen Riegel von der Tafel Schokolade. Oder weil Deutschland vorne nicht durchkommt, wenn zwar Schürrle und der RTL-II-Müller mit der glücksbringenden Unglückszahl auf dem Rücken kroosartig zaubern – aber Özil gegen die Defensivspezis aus dem Rinderfilet-Land plötzlich die Salsa verlernt hat und wie eine Folienkartoffel spielt.

Uns Fußballkölner wird das ein wenig kratzen. Nicht wirklich viel, aber doch ein wenig. Weil wir nämlich irgendwie hoffen, dass wenigstens Lukas Podolski als Beraubte Zehn neben der Falschen Neun, dem Feschen Neuer und der Wilden Dreizehn seine Minuten bekommt und am Ende die acht Kilo Zahngold in den Abend Himmel von Rio de Janeiro recken darf.

Nominell ist und bleibt der Fuppes-Luppes aus Bergheim allerdings bei Arsenal London unter Vertrag. Die Abwesenheit von Kölner Kickern in einem vielleicht doch siegreichen WM-Finale wäre ja ein Novum. Aber was helfen alte rheinfußballerische Welttriumphe, wenn der aktuelle Stellenwert der Kölner Fußballkunst so ist, wie er ist: nämlich gerade mal wieder auf einem gaaaanz leicht aufsteigenden Ast.

Folglich stellt Fußballköln derzeit eine Parallelwelt zum weltumspannenden FIFA-Spektakel bei den vom deutschen Wesen heimgesuchten Eins-zu-Sieben-Bürgen vom Zuckerhut dar. Beschaulich, doch mit deutlich ansteigender Progression in Sachen Trainingsintensität und Testspieldichte bereiten sich der FC, die Fortuna und die Viktoria im Schatten der WM auf ihre Auftritte in der neuen Spielzeit vor, die in der 3. Liga schon knapp zwei Wochen nach dem Argentinienspiel im Maracanã-Stadion losgeht.

Die Viktoria meint es ernst, manche werden sagen: wieder mal. Egal, die Frotzeleien müssen sie in Höhenberg ignorieren, und alle Konzentration auf einen gelungenen Start in die Spielzeit 2014/15 legen. Zu Beginn sollte das Sahnehäubchenspiel im DFB-Pokal gegen Hertha, die Schwester aus Berlin, Anreiz genug sein, den Riemen mal so richtig auf die Orgel zu legen, um dann gegen Rot-Weiß Essen – die Euer Laberthier diesmal ganz vorne mit dabei vermutet – und Tante Lotte zu bestehen und in einem nach wie vor blöden und total unpassenden Relegationsmatch-Showdown der Fortuna in die 3. Liga hoch zu folgen.

Dieselbe Fortuna hatte früh seine erste Profitruppe nach gefühlten 1948 Jahren erfreulich fix unter Vertrag und ist mit ein paar vorzeigbaren Testspielen in die Vorbereitung gestartet. Unangenehme Nebengeräusche gab es keine. Naja, fast: immerhin sind da die salzig erhöhten Ticket- und Dauerkartenpreise für die Saison Vierzehn-Fuffzehn, die für einigen Unmut sorgen – in der Südstadt zahlst du zum Teil deutlich mehr als in der Zweiten oder gar der Bundesliga für deinen Steher.

Der Spielplan, der inzwischen raus ist, sieht ansonsten gleich zum Auftakt die Fortführung der Regionalliga-Zweiten mit den Mitteln der 3. Liga vor. In den ersten zwei Spielen geht es gegen die Mitaufsteiger aus dem Südwesten, Großaspach und Meenz 05. Da zeigt sich dann mal gleich, ob sich auch aus dem Nachhinein behaupten lässt, dass die aus dem Westen die stärkste aller Regionalligen ist.

Die stärkste, weil einzige aller Bundesligen, bekommt ab August Besuch. Der FC ist wieder da, weltmeistermachend wie dieser Verein mal war, woran im Laufe der Jahre auch argentinische Hummelsdarsteller wie Christian Dollberg nichts ändern konnten. Ob mehr drin ist als der Klassenerhalt, wie etwa ein Überraschungscoup in Richtung UEFA-Cup (neuerdings Europa League), den Kastenwart Timo Horn im Gespräch mit dieser unserer Postille anklingen ließ, wird man abwarten müssen. Einstweilen gilt es, ersten Trainingslagerblessuren (Nagasawa und neuerdings scheinbar mal wieder Helmes) keine weiteren folgen zu lassen.

Sonst folgt auf die Beraubte Zehn die Dezimierte Elf zum Liga-Auftakt Ende August. Das kann keiner wollen, auch und vor allem der Beraubte selbst nicht: der einzige zwischen den Parallelwelten reisende Kölner Lukas Podolski.

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